Eine eigene Immobilie

Hallo  😊😊😊

Wenn sie sich für den Kauf eines Hauses hier in Frankreich, der Bretagne, oder wie wir im Finistére, interessieren, gibt es viele Möglichkeiten dazu. Zahlreiche Internet-Portale von Maklern, die Makler- und Notar-Büros in den Städten, wie dies z:B. Leboncoin.fr, oder in den Ortschaften selbst, aber auch die Bewohner der Gegend, wissen viel, wie überall eben.

Ich möchte ihnen in diesem Beitrag einiges an (unseren) Erfahrungen an die Hand geben, die aber NICHT überall zutreffen müssen, von Region zu Region, von Stadt zu Stadt, verschieden sein können!!!

  • Wenn sie das ganze Jahr hier leben wollen: Kommen sie zuvor zu verschiedenen Jahreszeiten hierher, um zu wissen, ob ihnen das Klima behagt oder nicht. Im Sommer ist es recht angenehm, doch die eventuellen Stürme im Herbst, Winter und Frühjahr sind nicht zu unterschätzen!!! Schnee und Eis sind hier eher selten, ebenso lange Kälteperioden.
  • Wollen sie Meer-Blick oder macht es ihnen nichts aus, auch mal einige Kilometer davon weg  zu sein. Beides hat Vor- und Nachteile, je nachdem.
  • Es ist vorweg klar, dass sie beim Kauf von den Eigentümern selbst/direkt die Makler-Gebühr sparen, was nicht unerheblich ist.
  • Für mich war, und ist, ein sehr großes Problem der Schimmel, sowie der Wurm- und Pilz-Befall in vielen Häusern, die uns angeboten wurden!!! Dies entsteht dadurch, dass viele Häuser sehr lange unbewohnt, und somit un-belüftet, sprich Leer-stehen. Was in diesem Fall an Kosten auf sie zu kommen, kann nur ein Fachmann sagen. Auch dies sollten sie vor dem Kauf in ihre Überlegungen mit einbeziehen. Letztendlich steht auch dieser Befall in der Diagnostik.
  • Haben sie nach der 1. Besichtigung weiteres Interesse an diesem Objekt, teilen sie dies dem Makler oder Verkäufer mit, es wird dann weiter für sie reserviert, bis eine endgültige Entscheidung ihrerseits gefallen ist. Erst danach wird es an weitere Interessenten weiter gereicht.
  • Lassen sie sich Zeit bei ihrer Entscheidung und überlegen sie gut. Schauen sie sich das Objekt auch mehrmals an, denn sie wollen darin wohnen.
  • „Deutsche Standarts“ dürfen sie hier selten erwarten. Bei älteren Häusern kaum, bei neueren Häusern eher. So sind die Türen und Fenster oft aus einem Glas und nicht wie in Deutschland mit einer Doppelverglasung ausgestattet. Ebenso verhält es sich auch mit der Isolierung des Hauses insgesamt, der Türen und Fenster. Dies macht sich gerade im Herbst, Winter und Frühling, bei den Stürmen bemerkbar.
  • Die Stromleitungen in den Häusern sind oft nur 2-adrig und selten 3-adrig. Doch darauf komme ich später noch.
  • Die Heizungen werden meist mit Strom betrieben, selten mit Heizöl oder mit Holzöfen. Bei Offenen Kaminen oder Holzöfen vergewissern sie sich, dass die Kamine auch Abzug haben und nicht im Kamin abgedichtet sind!!! Auch dies kommt unter Umständen hier vor.
  • Gerade im ländlichen Bereich ist die Abwasserentsorgung auch ein anderes System wie aus Deutschland gewohnt. So findet man hier viel die sogenannte >Fosse< Diese muss in regelmäßigen Abständen von den zuständigen Behörden, meist der Mairie, überprüft werden. Nachweise hierzu werden dann auch erteilt. Bei den meisten unserer besichtigten Häuser waren diese neu zu bauen, bzw zu ersetzen, da sie nicht mehr den Vorgaben entsprachen.
  • Strom- und Telefonzuleitungen werden in die Häuser meist über das Dach eingespeist, jedoch nach und nach unterirdisch nun verlegt.
  • Einer der wichtigsten Punkte, wenn sie sich dann soweit entschieden haben, ist die Haus-Diagnostic!!! Bei dieser wird das ganze Haus einer eingehenden Fachlichen Untersuchung unterzogen, die sowohl die Energieeffizienz, wie auch Wasser, Schädlingsbefall, Wärmedämmung, Bausubstanz, Undichtigkeiten und vieles mehr umfasst. In diesem Dosier werden aber auch Anregungen zur Beseitigung der Mängel aufgeführt und bewertet. Dieses Gutachten wird per Gesetz vom Verkäufer verlangt, so dass sie als Käufer wissen, was sie im Endeffekt kaufen!!! Es darf zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht älter wie 6 Monate sein und die Kosten trägt in der Regel der Verkäufer. Dieses Dosier sollten sie nach unseren Erfahrungen auf alle Fälle mit einem Fachmann durchgehen und sich beraten lassen, was da noch an Kosten in etwa auf sie zukommt, was real machbar ist und was nicht. Für uns war dieses Dosier seeeeehr wichtig!!!
  • Nach diesem Dossier können sie „möglicherweise“ noch mit dem Preis handeln, was aber nicht immer klappt.
  • Haben sie sich für einen Kauf entschieden, sollten sie versuchen eine Art „Vorvertrag“ bereits bei der Zusage von dem Verkäufer/ Verkäufern unterschreiben zu lassen, was hier „normal“ ist und doch empfehlenswert. Somit beugen sie vor, dass das Objekt auch für sie bis zur vollständigen Übergabe reserviert bleibt.
  • Viele Objekte werden von Erben-Gemeinschaften verkauft. Sind sich die Verkäufer einig, ist dies kein Problem. Wenn es jedoch zu Uneinigkeiten kommt, evtl auch jemand vor der letzten Unterschrift beim Notar stirbt, kann es sehr große Probleme mit der Eigentumsübertragung geben, die sich über eine sehr lange Zeit hinziehen kann. Fragen sie hier den Notar um Rat.
  • Nun geht die Sache zum Notar und da brauchen sie Geduld!!! Wie bei vielem hier eben. Sie bekommen dann einen 1. Termin bei der Kanzlei, wo der offizielle Vorvertrag unterschrieben wird. Hier erfahren sie auch, wie das finanzielle Prozedere abläuft. Dieses Geld geht auf ein Konto des Notars, der dies dann an den/die Verkäufer(in) weiter leitet. Die weiteren offiziellen Unterlagen werden nun erstellt und es kommt zu einem weiteren Notar-Termin, bei der dann der endgültige Kaufvertrag besiegelt wird und die Schlüsselübergabe stattfindet.
  • Kaufen sie bei einer Erben-Gemeinschaft, seien sie VORSICHTIG!!! Es KANN, MUSS aber nicht gut gehen, wie überall auf der Welt. Wir hoffen, dass es für uns gut geht!!!
  • Nun können sie sich um die Anmeldung auf ihren Namen von Strom, Wasser, Telefon/Internet usw kümmern und evtl auch gleich in ihren Traum einziehen.

Auch beim Strom im Allgemeinen gibt es einiges, das sie evtl so nicht kennen oder aus Deutschland gewohnt sind. Auch hier wieder Erfahrungen, DIE WIR machten, die aber auch nicht überall zutreffen MÜSSEN!!!

  • Dass wir immer sowohl 2-, wie auch 3-adrige Stromleitungen vorfanden, erwähnte ich oben schon.
  • FI-Schutzschalter waren/sind nicht überall in den Häusern vorhanden und sollten für meine Begriffe spätestens nach dem Kauf des Hauses eingebaut, bzw. von einem Fachmann überprüft, werden, sodass ihre Sicherheit gewährleistet ist.
  • Stromleitung-Sicherungen sind oft auch nach gut Dünken und NICHT IMMER zentral in einem Kasten angebracht.
  • Verfolgen sie die Leitungen, wohin diese gehen und lassen sie diese evtl von einem Fachmann überprüfen oder erneuern. Es ist ihre Sicherheit!!!
  • Überprüfen sie gleich zu Beginn die Nummer ihres Stromzählers mit der Nummer auf ihrem Vertrag oder lassen sie dies vom Stromanbieter überprüfen. Wir haben da auch unsere Erfahrungen gesammelt, als auf einmal der Verbrauch sprunghaft in die Höhe stieg, obwohl wir, nach unserem Ermessen, nicht mehr an Leistung verbrauchten.

Ein weiteres Thema ist die sogenannte VMCdie immer wieder in den Häusern hier zu finden sind. Es handelt sich um eine Lüftungsanlage, wie man in dem Link (VMC) sieht. So wird in der Küche, Bad und Toilette die Luft abgezogen, an einer zentralen Stelle gereinigt und getrocknet, dann in die anderen Räume weiter geleitet. Dies bedingt natürlich auch eine Zufuhr von Frischluft über entsprechende Lufteinlässe. Ob es hier nicht besser ist, wie in Deutschland gewohnt zu lüften, ist die Frage. Eine weitere Frage stellt für mich der Stromverbrauch, zumal die Stromkosten hier nicht unerheblich sind. Wir werden sehen.

Mittlerweile haben wir weitere Erfahrungen zu diesem Themenkomplex gesammelt, bzw sammeln können. Nach der Corona-Krise werden verstärkt Häuser zum Kauf angeboten. Viele Angebote, die sie auf den Internet-Seiten der Makler finden, sind oft schon verkauft. Sprechen sie daher die Makler oder Notariate direkt an, teilen sie diesen ihre Wünsche und Möglichkeiten mit, damit sie bereits im Vorfeld in eine engere Wahl kommen. Bei den Häusern selbst haben wir nun auch Neue Erfahrungen gesammelt, so haben wir eine Fosse von relativ aktuellem Stand gesehen. Da kam ich schon ins Staunen, das gebe ich zu! Auch mit der VMC hat sich meine/unsere Meinung etwas relativiert. Diese sind nun kleiner und effizienter, ebenso Stromsparend. Diese Anlage soll das ganze Jahr durchlaufen und so die Luftfeuchtigkeit in dem Gebäude insgesamt auf einem verträglichen Maß halten. Selbst die Steinmauern der Alten Bretonischen Häuser haben ein Innen-Leben, das man oft so nicht sieht. Gerade die renovierten Gebäude haben da ihre Isolierung „versteckt“, was für uns auch Neu ist. In dieser kurzen Beschreibung sehen sie, dass es viele Möglichkeiten gibt, auf die man achten „sollte“.

Das Prozedere mit dem Hauskauf selbst erfolgt zunächst mit der mündlichen Zusage von Käufer und Verkäufer beim 1. Besichtigungstermin. Wenige Tage später ist der 2. Besichtigungstermin, wobei die Makler jeweils dabei sind und als Bindeglied dienen. Der Diagnostiker ist nun am Zuge und auch hier finden sie vieles, das sie interessieren wird oder weiter hilft. Kommt man auch da auf einen gemeinsamen Nenner, steht der 1. Notar-Termin an. Bei diesem wird alles noch einmal besprochen und vorgelesen. Diesen Text bekommen sie im Vorfeld per Mail zur Ansicht. Nun wird von beiden Seiten im Beisein der Notarin/des Notars unterschrieben. Danach hat >der Käufer< immer noch 10 Tage Zeit, sich zu entscheiden. Für den Verkäufer gilt nach unseren Erfahrungen dies nicht!! Die Unterlagen durchlaufen nun den Behördenweg, was in einem Zeitraum von ca. 12 Wochen erfolgt. Bei diesem Notar-Termin erfahren sie dann auch, wann die endgültige Haus-Übergabe mit 2. Unterschrift beim Notar erfolgt. Danach gehört das Haus ihnen und sie können einziehen.

Eine weitere Besonderheit ist für uns das Angebot des Maklers, oder des vermittelnden Notariats-Büro’s, dass bei Besichtigungsterminen mit Handwerkern für Kostenvoranschläge, dies in Absprache erfolgen kann und der Makler dann dabei ist. Termine für die Handwerker-Ausführungen sind im Moment schwer zu bekommen, bzw. es sind teilweise sehr lange Wartezeiten einzuplanen.

Da das Haus, in das wir noch in diesem Jahr einziehen werden, bisher als Ferienhaus genutzt wurde, haben wir uns einen Mobilen Entfeuchter nun zugelegt und testen diesen gerade. Hier auf Cap Sizun herrscht oft eine hohe Luftfeuchtigkeit, die in die Mauern und das Holz eindringt. Bei unzureichender Belüftung kann dies zu einem Schädlingsbefall führen, wie wir nun wissen. Dieser Entfeuchter wird eine zusätzliche Rolle im Neuen Haus spielen, neben der dann noch einzubauenden VMC.

In einiger Zeit werde ich ihnen auch berichten, wie der Geldtransfer in einem solchen Fall über eine Französische Bank läuft, bzw vonstatten geht.

Ich gebe hier nur unsere Erfahrungen wieder, die jeweils abweichen können und Stand JETZT sind.

Ich wünsche ihnen viel Glück und Erfolg bei ihrem Traum und würde mich freuen, wenn ich ihnen einige hilfreiche Tipps an die Hand gegeben hätte.